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Projekt Tipu Naturschule - Tipu Looduskool

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Der Soomaa Nationalpark
Der Soomaa Nationalpark wurde 1993 zum Schutze der vier Hochmoore, der einzigartigen Flusslandschaft, der ursprünglichen Auwälder und der extensiv genutzten Kulturlandschaft (Feucht- und Gehölzwiesen mit hoher Biodiversität) gegründet. Heute stehen ca. 40 000 ha unter Schutz.
Im Nationalpark gelegen sind drei Dörfer. Eines davon ist das Dorf Tipu am Fluss Halliste mit seinen Auwiesen und -wäldern, umgeben von Mooren. Die Natur lädt zu vielfältigen Wanderungen ein. Im Randwald des "Öördi" Moores kann man im Frühjahr die Balz der Auerhühner beobachten, auf den Wiesen tummeln sich Wachtelkönig, Störche und Kraniche. Die Wiesen sind auch das Jagdrevier für den Schreiadler.

Das Tipu Schulhaus
Um den Kindern in und um Tipu den Schulweg zu verkürzen, wurde ab dem Jahr 1894 das alte Wirtshaus für den Schulunterricht genutzt. Das heutige markant rote Schulgebäude stand ursprünglich an einem anderen Ort, wurde dort abgebaut und 1932 in Tipu wieder zusammengesetzt. Das Gebäude ist mit senkrecht stehenden Balken errichtet. Diese seltene Bauweise und weitere Details des Baus sind kulturell und architektonisch bedeutsam.
Aufgrund des Rückgangs der Schülerzahlen wurde die Schule 1964 geschlossen. Danach wurde sie von der lokalen Bevölkerung als Dorfzentrum und Bücherei genutzt. Später übernahm die Universität Tartu das Gebäude, es fanden Geländepraktika von Biologie-, Geographie- und Pharmaziestudenten statt. Insgesamt haben hier über 1200 Studenten eine gute Zeit verbracht. Heute halten sie an und erzählen von ihrer Zeit hier, wenn sie nach Soomaa kommen.
Auch für die lokale Bevölkerung war das Schulhaus "die Seele des Dorfes". Umso trauriger ist es, den Verfall des Hauses zu sehen. Ende der 80er gab die Universität das Gebäude auf, heute gehört es der Gemeinde Kõpu. Die Pläne, dem Gebäude durch den Umbau in eine Naturschule eine Funktion zu geben und so für den Erhalt zu sorgen, bestehen bereits seit längerer Zeit. Leider fehlte bisher eine Projektleitung. Die Naturschule wird auch für eine stärkere Integration Tipus in den Nationalpark sorgen, derzeit profitieren die Bewohner wenig vom Vorhandensein des Nationalparks. So steht der Umbau des Schulhauses in eine Naturschule im Managementplan des Nationalparks und im Kreis-, Gemeinde- und Dorfentwicklungsplan.
Im August 2004 wurden im Zuge internationaler Workcamps kleinere Reparaturen durchgeführt. Das Problem ist, dass sich auf dem Grundstück ein artesischer Brunnen befindet, dessen Abfluss zum Fluss wurde beim Neubau der Strasse zu Sowjetzeiten gekappt und so sind statt der ursprünglichen Bauerngartenpflanzen heute Bewohner der Sümpfe auf dem Grundstück anzutreffen.
Unter der Feuchtigkeit hat besonders das Fundament des Hauses stark gelitten. Nach einer Trockenlegung muss dieses als erstes erneuert werden.

Das Projekt
Die Naturschule soll ein Ort der Begegnung, des Lernens und des Austauschs im Umweltbildungs- und Wissenschaftsbereich werden.
Das Veranstaltungsangebot soll u.a. aus Seminaren, Fortbildungen, Workshops, Themenabenden und Unterrichtseinheiten für Schulklassen bestehen. So wird eine breite Zielgruppe angesprochen: Schulklassen und lokale Bevölkerung, Studenten, Lehrer und natur- und kulturinteressierte Touristen.
In Zusammenarbeit mit Universitäten sollen Diplomarbeiten, Praktika und Exkursionen angeboten und unterstützt werden.
Im Schulhaus wird es eine interaktive naturkundliche Ausstellung, ein kleines Dorfmuseum, einen Infopunkt zur Umgebung, ein Café und Übernachtungsmöglichkeiten geben. Des Weiteren soll das Haus als Anschauungsobjekt für ökologisches Bauen, Energiesparen, Energiegewinnung und Wassernutzung dienen. Auch hierzu werden Führungen und Veranstaltungen organisiert.
Kooperationen mit anderen Umweltbildungseinrichtungen im In- und Ausland sollen dem Austausch und der Durchführung von gemeinsamen Projekten dienen. Hierbei ist besonders unser Partnerverein, der deutsch-estnische Umweltbildungsverein Mitwelt e.V., zu erwähnen.Der Aufbau und Betrieb des Schulhauses wird einen großen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Dorfes und der Gemeinde leisten: Arbeitsplätze werden geschaffen, kulturelles Leben und Projekte gefördert.
Der Tipu Naturschulkomplexes soll aus dem Haupthaus, einem Dorfhaus, einem Wasch-/Saunahaus, einer Holzwerkstatt, dem Eiskeller, dem Heizhaus und evtl. einem Gästehaus bestehen.

Die Initiatoren
Der Verein Tipu Naturschule (MTÜ Tipu Looduskool) wurde im August 2007 gegründet. Ziel ist es, das alte Schulhaus als Kulturdenkmal und Zentrum des Dorfes Tipu zu erhalten, es in eine Naturschule umzubauen und auf diese Weise zur nachhaltigen Entwicklung der Region beizutragen. Das geplante vielfältige Veranstaltungsprogramm soll ein ganzheitliches Verständnis von Natur und der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt fördern. Der Aufbau des Tipu Naturschulkomplexes ist als partizipativer Prozess gedacht.
Auf estnischer Seite engagiert sich auch der Verein der Soomaa Freunde, der sich für die Erhaltung des Natur- und Kulturerbes des Nationalparks und die Unterstützung der im Nationalpark lebenden Bewohner einsetzt.
Von deutscher Seite wird das Projekt durch den deutsch-estnischen Umweltbildungsverein "Mitwelt e.V." unterstützt. Schwerpunkte des Vereins #sind die Unterstützung der Entwicklung der Tipu-Naturschule und das Angebot von Umweltbildungsveranstaltungen. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kõpu und der Schutzgebietsverwaltung.